Feministischer Lesekreis

Wie viele Autorinnen kannst du auf Anhieb nennen? Der Schulunterricht, Rezensionszeitschriften und die Liste der Literaturnobelpreisträger_innen etc. suggerieren uns, Frauen hätten kaum bzw. lediglich qualitativ minderwertige Texte verfasst und enthalten uns vor, dass die ersten überlieferten Werke von Frauen bereits 4000 Jahre alt sind, dass schon im Mittelalter erste feministische Schriften verfasst wurden und dass schreibende Frauen immer schon von gesellschaftskonformen Rollenbildern abgewichen sind.

In diesem Sinne haben wir einen feministischen Lesekreis ins Leben gerufen, der sich an jedem ersten Mittwoch im Monat von 16:00 bis 18:00 via Jitsi-Meet trifft. Komm vorbei, um mit uns über die Werke von Autorinnen aus aller Welt zu diskutieren!

Anmeldung und Fragen an: support@igfem.at

Hier findet ihr auch einen Überblick über Bücher die bereits besprochen worden sind und jenen, die wir in der Zukunft noch besprechen werden.

Buchbesprechungen 2022

Juni

„Gesang der Fledermäuse“ – Olga Tokarczuk

Juli

„Ich bin Circe“ – Madeline Miller

August

„Frauen Literatur, Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“ – Nicole Seifert

September

„Die Tochter“ – Kim Hey-Jin

Oktober

„Nevermore“ – Cécile Wajsbrot

Time Passes, To the Lighthouse, in diesem Buch ist ebenso viel von Licht die Rede wie von Zeit. Und was für ein schönes Wort, lighthouse, das französische Wort phare ist auch schön, aber man hört das Licht nicht darin, wenngleich man sich den Lichtstrahl vorstellt. Das deutsche Wort »Leuchtturm«, der leuchtende Turm, ist dem englischen Wort näher, auch wenn das »Leucht« gedämpft scheint im Vergleich zu »Licht« oder zu dem strahlenden Klang des englischen Wortes light, und ein Bild heraufbeschwört, das weniger sharp ist und clear.

Am 5. Oktober traf sich unser feministischer online-Lesekreis, um gemeinsam über Cécile Wajsbrots Roman »Nevermore« zu diskutieren. Neben der translationalen Poetik, die im Zwischenraum der Sprachen, der sich in der Übersetzung von oder besser (in der sprachlich-tastenden Annährung an) Virginia Woolfs »To the Lighthouse« öffnet, wurde erörtert, inwiefern die die eigene Sprache in der Übersetzung zu einem Fremdort wird, an dem ein Gefühl des zu Hause seins nicht mehr möglich ist. Hierin sehen wir auch die feministische Dimension des Textes: die Übersetzung ermöglicht ein Lösen von patriarchalen Sprach- und den ihnen inhärenten Gewaltstrukturen. Fazit: Eine Lektüre, deren einzigartige Sprachmelodie noch lange nachwirkt!

November

„Girl, Woman, Other“ – Bernardine Evaristo

What matters most to me, is that I know how I feel, and the rest of the world might catch up one day, even if it’ll be a quiet revolution over longer than my lifetime, if it happens at all.

Am 2. November fand unser feministischer Lesekreis zu Bernardine Evaristos »Girl, Woman, Other« statt. Dieser multiperspektivische Roman gibt anhand von 12 spannenden, vielschichtigen und vor allem nachvollziehbaren Charakteren 12 verschiedene Antworten auf die Frage, was es heißt eine Frau bzw. nicht-binäre Person in einer patriarchalen Gesellschaft zu sein. Er hat uns einmal mehr gezeigt, dass Literatur die einzigartige Fähigkeit besitzt, verdrängte Geschichten zu erzählen und wie wichtig ein feministisches Narrativ darin ist!

Dezember

„Das Ereignis“ – Annie Ernaux