Aktuell

HERZLICHE GRATULATION !

Wir freuen uns die Gewinnerinnen der Ausschreibung „WeissNet 2022“ bekannt zu geben. Hier werden nach und nach, in völlig ungeordneter Reihenfolge, die Gewinnerinnen mit einer kurzen Beschreibung bekannt gegeben: https://www.igfem.at/autorinnen-texte/gewinnerinnen-2022/

Die ÖVP und die Gewalt an Frauen

Nicht neu ist das Phänomen, dass sich rechtskonservative Parteien immer dann gegen sexualisierte Gewalt positionieren und zu Verfechtern von „Frauenrechten“ aufschwingen, wenn sie damit die weiße, österreichische Frau vor der vermeintlichen Gefahr migrantischer Männer schützen wollen. Dass dahinter weniger feministische, als rassistische Anliegen liegen, ist nicht schwer zu erkennen, was die ÖVP jedoch nicht daran hindert, Gewalt gegen Frauen offen als „Problem der Migration“ zu betiteln. Den aufmerksamen Beobachter*innen oberösterreichischer Lokalpolitik stellt sich daraufhin die Frage, woher denn Jürgen Höckner (ÖVP) nach Scharten migriert ist, wo er trotz Verurteilung wegen Vergewaltigung letztes Jahr als Bürgermeister wiedergewählt wurde. Inzwischen wurde Höckner durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes rechtskräftig schuldig gesprochen, was jedoch die oberösterreichische Landesregierung nicht davon abhalten konnte, ihm danach noch eine Ehrenurkunde für sein „großartige[s] Engagement für die Regionalentwicklung des Landes Oberösterreich“ zu überreichen. Eine Distanzierung von Höckner oder eine Verurteilung seiner Straftat durch die ÖVP bleibt nach wie vor aus. Stattdessen argumentiert die ÖVP Agrarlandesrätin, die Vergewaltigung „sei die eine Sache. Die andere Sache ist, was er in der Region gemeinsam mit vielen anderen entwickelt hat. Auf das baut die Region auf. Dafür gilt der Dank“. Das Problem daran ist, dass die Region offensichtlich auch auf patriarchalen, männerbündischen und offen rassistischen Strukturen aufbaut. Strukturen, die es nicht nur ermöglichen, dass Männer wie Jürgen Höckner eine Vergewaltigung begehen können, sogar rechtskräftig dafür verurteilt werden – was schon eine Rarität darstellt, weil Frauen erstens viele Hürden in den Weg gelegt werden, eine Vergewaltigung überhaupt zur Anzeige zu bringen, und zweitens, weil auch das Justizsystem bei der Feststellung der Schuld durch patriarchale Strukturen geprägt ist – und es dennoch nichts an seinem Ansehen als ÖVP-Lokalpolitiker ändert, ja dieses sogar bekräftigt wird. Es legt auf tragisch-komische Weise den offenen Sexismus und Rassismus der ÖVP und großer Teile der österreichischen Gesellschaft offen. Eine Gesellschaft, in der wir so nicht leben wollen, es niemals sicher oder frei könnten. Wir müssen daher lautstark reagieren, uns empören und nach den Rechten verlangen, die Frauen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Ethnie, ihrer Klasse oder ihrer sexuellen Orientierung verdient haben und welche ihnen trotz formaler rechtlicher Verankerung verwehrt werden. Solange sich in unserer Gesellschaft, in unseren Ortsvereinen, Rathäusern, Gasthäusern, unseren eigenen Familien nicht endlich ein feministisches Narrativ verankert, welches patriarchale Gewalt verurteilt und nicht duldet, jedes vermeintliche Engagement für Frauenrechte, das lediglich von Nationalismus geprägt ist und an vorhandenen Machtstrukturen nichts verändern will, als heuchlerisch entlarvt, wird keine von uns befreit sein. Auch nicht die weiße oberösterreichische Hausfrau, welche der ÖVP besonders am Herzen zu liegen scheint, wenn sie vor durch Migration drohender Gewalt beschützt werden soll. Nicht aber, wenn der Täter aus den eigenen Reihen kommt. Sich auf die ÖVP zu verlassen, wenn es um die Bekämpfung patriarchaler Gewalt geht, erschien noch nie eine gute Idee. Spätestens jetzt hat sie sich jedoch selbst entlarvt: nicht nur als Aufrechterhalterin der Strukturen, welche die Gewalt ermöglichen und begünstigen, sondern auch als Hervorbringerin derselben – als Täter(in).


SCHREIBGRUPPENAKTION


Laut einer aktuellen SORA-Umfrage ist in Österreich bereits jede_r Zweite angesichts der inflationsbedingten Teuerungen zu Einsparungen gezwungen. ≠igfem möchte so vielen Menschen als möglich den Zugang zu Kultur zu ermöglichen. Deshalb ist die Teilnahme an unserer Buch-, Theorie- und Vernetzungsgruppe kostenlos. Bis Jahresende bieten wir aufgrund der steigenden Energie- und Lebensmittelpreise zusätzlich unsere Schreibgruppen für Neueinsteigerinnen unentgeltlich an!

🖋 Jeden Montag 18:00 – 20:00 für Fortgeschrittene
🖋 Jeden 2. Donnerstag 17:00 – 19:00 für Beginnende
🖋 Jeden 2. Donnerstag 14:00 – 16:00 für Beginnende & Fortgeschrittene
🖋 JETZT NEU: 16. 12. internationale Schreib- und Vernetzungsgruppe in englischer Sprache

Schreibt uns heute noch eine E-Mail an support@igfem.at, um euch anzumelden. Wir freuen uns auf euch!


16 Tage Gewalt gegen Frauen


Vom 25. 11. bis zum 10. 12. werden im Rahmen der „16 Tage Gewalt gegen Frauen“ das Ausmaß und die Ausprägungen von Gewalt gegen Frauen thematisiert. Höchste Zeit, finden wir von ≠igfem. Immerhin ist jede 5. Frau in Österreich körperlicher und/oder sexueller Gewalt, jede 3. sexueller Belästigung ausgesetzt. 2021 wurden in Österreich 29 Morde an Frauen von (Ex-)Partnern oder Familienmitgliedern verübt. Im Jahr 2022 verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik bereits 28 Opfer von Femiziden! Die Covid-19-Pandemie hat die Gewalt gegen Frauen nicht nur in die Höhe getrieben, sondern erschwert es den Betroffenen durch die aus ihr resultierende ökonomische Krise und die durch diese bedingte Abhängigkeit von den Tätern, einen Ausweg aus der Gewalt zu finden.
 
Der Zuspitzung patriarchaler Gewalt zum Trotz ist diese nach wie vor ein tabuisiertes Thema, das im öffentlichen Diskurs kaum präsent ist. Auch seitens der österreichischen Politik sind wirksame Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor dieser zu vermissen. Als IG feministische Autorinnen sind wir davon überzeugt, dass Gewalt gegen Frauen als ein strukturelles Problem erkannt und behandelt werden muss. Folglich ist es notwendig, die Rahmenbedingungen von Gewalt zu erforschen und entsprechend Handlungen zu setzen. Diese beginnt, wo die Betroffenen keine Stimme haben, ihnen die Möglichkeit zu sprechen genommen wird. Die Frage, wessen Geschichte erzählt und welche verschwiegen wird ist in erster Linie eine Machtfrage: Sprache ist ein macht- und potentiell gewaltvolles Instrument, welches dazu benutzt wird, Gewalt gegen Frauen zu normalisieren, indem etwa Femizide medial als „Beziehungsdramen“ inszeniert und männliche Eifersucht und Besitzansprüche romantisiert und legitimiert werden, und Empathie mit ihnen zu verhindern, indem die Verantwortung von den Tätern auf die Opfer verlagert wird. Aus diesem Grund müssen weibliche Perspektiven im öffentlichen Diskurs sicht- und hörbar werden. Voraussetzung hierfür, ist die Schaffung und Verbreitung eines feministischen Narratives in allen gesellschaftlichen Sphären.
 
Literatur kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie ermöglicht es Frauen, sich selbst neu zu entwerfen, verdrängte Geschichten zu erzählen und patriarchale Konventionen zu überwinden. Sie lässt uns neue Perspektiven einnehmen und schafft somit ein Näheverhältnis, welches die Grundlage für Empathie darstellt. Die Prävention von Gewalt gegen Frauen fängt in der Sprache an – einer Sprache, welche nicht unreflektiert übernommen wird und nicht beständig die gleiche patriarchale Erzählung wiedergibt, sondern Lebensrealitäten und -möglichkeiten von Frauen in den Blick nimmt und einem Narrativ der Gleichberechtigung folgt. Nur wenn dieser Zusammenhang erkannt und benannt wird, können wir uns effektiv für eine Gesellschaft einsetzen, in der es allen möglich ist, gut und sicher zu leben – so, wie wir es in literarischen Entwürfen bereits jetzt imaginieren können.


Betrachtungen einer Jurorin


In einer Woche ist es endlich so weit: Die Gewinnerinnen der Ausschreibung WeissNet 2022 werden bekanntgegeben. Als kleinen Vorgeschmack hat Marie-Rose Rodewald-Cerha ihre Eindrücke zur Jurorinnentätigkeit zusammengefasst:

Ich war das erste Mal in der Jury für „WeissNet 2022. Feministisch. Texte von Autorinnen“, hatte keine Ahnung, wer die anderen Jurorinnen waren oder wie sich die Sitzungen mit ihnen gestalten würden. Tatsächlich fanden diese online statt. Das war eine gänzlich neue Erfahrung, hatte ich doch über 20 Jahre an vielen Jurysitzungen zu etlichen Wettbewerben teilgenommen. Zu meiner Überraschung konnte ich mich rasch an diese Bildschirmsituation gewöhnen und die Ernsthaftigkeit, mit der diskutiert wurde, litt nicht an der distanzierenden Virtualität. Ich war erleichtert!


Denn worum geht es bei der Jurorinnentätigkeit? Immer wieder ist die Rede von Gerechtigkeit im Zusammenhang mit Wettbewerben. Doch ist das realistisch? Natürlich werden Maßstäbe angesetzt, Kriterien erhoben – inhaltlich, stilistisch, sprachlich, anhand derer sich die Jurorinnen orientieren. Letztlich entscheidet aber immer die Wirkung des Gelesenen auf die Leserin, und diese ist eben individuell verschieden. Ich kann einem ausgewählten Text einer Jurorin aus verschiedenen Gesichtspunkten etwas abgewinnen, gefallen muss er mir deswegen nicht. Umgekehrt versuche ich meine Kolleginnen für meine Auswahl zu gewinnen, indem ich überzeugend argumentiere. Wenn mehrere Menschen sich viele Stunden und Tage mit Texten auseinandersetzen und sich schließlich nach hartem Ringen eins werden, welchen die Trophäe gebührt, so ist das ein Akt größter Wertschätzung der Literatur gegenüber und geschieht immer zum Nutzen derselben. Insofern ist es nie schwierig eine Preisvergabe zu legitimieren.


Beim feministischen Schreiben kommen noch eine Reihe von Aspekten dazu. Es genügt nicht, sich Inhalten zu bemächtigen, die bislang keinen Eingang in die Literatur gefunden haben. Ich schaue darauf, wie reflektiert sich der Text feministischer Sprachpraxis bedient. Wie geht er mit Sexismus, Machtverhältnissen, Diskriminierung etc. um? Wie mutig werden Sprachpraktiken ausprobiert und brechen damit bestehende Schreibnormen auf? Feministisches Schreiben ist auch ein Projekt, das immer wieder hinterfragt und weiterentwickelt werden muss. Ein Wettbewerb lädt zum Schreiben ein. Wie wichtig es ist, dass Frauen ihre Stimme erheben, schrieb Julya Rabinowich neulich in einem Essay: „Die Geschichte der Welt ist unter Frauenhaut festgehalten. Auf ihr. In ihr. Sie muss gelesen und verstanden werden. Nie sind Frauen mächtiger, als wenn sie sich das Recht nehmen. Das Wort.“ So gesehen ist die Verleihung des Bachmannpreises 2022 ein schönes Signal: Im Text der Gewinnerin geht es um aktives Handeln und um die Selbstermächtigung der Schreibenden.


Auch wenn viel Arbeit dahintersteckt, hat mich Jurorinnentätigkeit auch immer bereichert. Ich habe viel über Sprache gelernt und beobachtet. Und bald waren mir die auf den ersten Blick „kryptischen“ Texte die liebsten. Da konnte ich mir oft und gern die Zähne daran ausbeißen. Der Autorin oder dem Autor auf die Schliche zu kommen ist genüsslich und nachhaltig wie jegliche Beschäftigung mit Sprache. Wie wohl die Beschäftigung mit Literatur für alle Menschen ratsam ist. Die sublime Herangehensweise an die Welt und ihrer Beschreibung erweitert das Blickfeld der Leser:innen und stellt immer deren Sprachgebrauch in Frage. Die Reflexion darüber kann die eigene Sprache verändern, sie empathischer werden lassen, was unweigerlich zu mehr Diskurs und Verständnis untereinander beiträgt.


Ich glaube an die Wirkmächtigkeit von Sprache im Allgemeinen und ganz besonders der im künstlerischen Gebrauch. Ein Wettbewerb ist Anreiz für viele, sich mit Sprache zu beschäftigen, was wiederum ein Akt der Emanzipation darstellt – in unserem Fall daher im doppelten Sinn. Gerne stelle ich mich immer wieder zur Verfügung, diese Bestrebungen zu unterstützen.


Equal Pension Day


Am 3. August haben Männer bereits jene Pension erhalten, die Frauen bis zum Ende des Jahres erhalten werden. Es bedeutet, dass Frauen ca. 40% – teilweise sogar bis 1/3 – der Männer-Pension erhalten.

Zu den Gründen zählen altbekannte Missstände:

  • Abstrafen der Lebensentwürfe von Frauen
  • unbezahlte Care-Arbeit
  • Bruttolöhne, welche 20% unter jenen der Männer liegen
  • Erzwungene Teilzeit
  • Einkommen die nur 60% der durchschnittlichen Männereinkommen ausmachen
  • das neoliberale Wirtschaftssystem etc.

Primär ist die Verantwortung aber in der Politik zu suchen! Als Regierungen, vor noch nicht allzu langer Zeit, Pensionsreformen beschlossen, ignorierten sie vorsätzlich die Lebensrealitäten von Frauen mit der Auswirkung, dass Frauenpensionen um bis zu 50% gekürzt wurden. Mit dem Wissen, dass ein Berechnungszeitraum von 40 statt 15 Jahren Frauen in die Altersarmut schickt haben Regierende und Sozialpartner (Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Industriellenvereinigung etc.) dieser Reform zugestimmt.

Als IG feministische Autorinnen sehen wir unsere Aufgabe unter anderem darin, ungleiche Bedingungen wie diese durch feministische Öffentlichkeitsarbeit aufzuzeigen. Speziell für den Literaturbetrieb fordern wir eine höhere Präsenz von Frauen (mit feministischen Haltungen) in Führungspositionen, Redaktionen von Verlagen und Medien sowie Jurys und Gremien, die Verringerung bzw. Schließung des Gender Pay Gaps, welcher im Literaturbetrieb rund 25% beträgt und Ehrenpensionen für einkommensschwache Autorinnen! Gleichzeitig stellen wir einen Großteil unseres Angebots kostenlos bzw. -günstig zur Verfügung, um insbesondere Einkommensschwache Schriftstellerinnen und Kulturinteressierte (vor allem in Zeiten inflationsbedingter Teuerungen) zu unterstützen.