Aktuell

Workshop und Buchempfehlung

Aktuell zu unserem Workshop „Weibliche Autor*innenschaft und Rezeption“ diesen Freitag/Samstag 2.+3.9. von Mag. Dr. Veronika Schuchter mit einem Gastbeitrag von Gertraud Klemm empfehlen wir das Buch: „Das Geschlecht der Kritik, Studien zur Gegenwartsliteratur“ – Peter C. Pohl/ Veronika Schuchter (Hg.). Dieses werden wir auch Anfang Dezember in unserer feministischen Buchgruppe besprechen.

Equal Pension Day

An diesem Tag haben Männer bereits jene Pension erhalten, die Frauen bis zum Ende des Jahres erhalten werden. Es bedeutet, dass Frauen ca. 40% oder auch unter 2/3 der Männer-Pension erhalten.

Zu den Gründen zählen altbekannte Missstände: unbezahlte Care Arbeit; Bruttolöhne, die 20% unter den der Männer liegen; Erzwungene Teilzeit; Neoliberale Wirtschaft, …

Primär aber die Politik. Als Regierungen, vor noch nicht allzu langer Zeit, Pensionsreformen beschlossen, ignorierten sie vorsätzlich die Lebensrealitäten von Frauen mit der Auswirkung,

dass Frauenpensionen somit um mehr oder weniger als 50% gekürzt wurden.

Mit dem Wissen, dass ein Durchrechnungszeitraum von 40 statt 15 Jahren Frauen in die Altersarmut bringt haben Regierende und ALLLE Sozialpartner (Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung)

zugestimmt.

Den Regierenden und Sozialpartner war es völlig bewusst, dass sie Frauen, die ohnehin schon benachteiligt sind weiteren, immensen Schaden zufügen.

Gleichberechtigung fängt mit einer Sprache an, welche die Lebensrealitäten und -möglichkeiten von Frauen fokussiert und reflektiert, einer feministischen Sprache, einem Narrativ der Gleichberechtigung.

Dafür steht und kämpft die IG feministische Autorinnen ≠igfem

Offener Brief an Bundesministerin Susanne Raab

Feminismus braucht Förderung! Antwort zur Förderabsage(n)

Sehr geehrte Frau Bundesministerin MMag.a Dr.in Susanne Raab,

Österreichs unrühmliche Vorreiterstellung in der europaweiten Statistik der Femizide bedeutet eine äußerste Zuspitzung patriarchaler Gewalt in unserem Land. Wir sind ein feministischer Literaturverein mit dem Ziel, Frauen zu stärken und wundern uns wie viele andere Frauen unterstützende Organisationen/Medien über Förderabsagen seitens des Bundesministeriums für Frauen, Familien, Integration und Medien.

Ihre Entscheidung, die budgetäre Schwerpunktsetzung im Bereich Frauenprojektförderung auf die „Aufrechterhaltung des Gewaltschutzes“, sowie ein „ganzheitliches und kostenloses Beratungs- und Begleitangebot für Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenssituationen“ zu legen, deckt zwar eine wichtige Aufgabe ab. Wir vermissen jedoch Ihr strukturelles Verständnis von Gewalt und was Gewaltschutz in einer patriarchal geprägten Gesellschaft wie der unseren bedeutet. Dem für Frauen und gesamtgesellschaftlich unerträglichen Zustand muss mit Grundlegendem begegnet werden.

Es ist Zeit, in der Frauenpolitik etwas zu ändern.

Dieses gesamtgesellschaftliche Problem muss grundlegend gedacht werden.

Das Patriarchat ist zwar von vorgestern, aber es hat schon Jahrtausende seine Wirkung getan.

Es ist zu spät erst dort anzusetzen, wo vulnerablen Personen, worunter Frauen leider fallen bereits Gewalt angetan wurde. Effektiver Gewaltschutz erfordert Prävention und Prävention bedeutet: den Bedingungen von Gewalt auf den Grund zu gehen – der Ungleichverteilung von Macht – und daraus zu handeln. Nur mit dieser feministischen Haltung können in unseren Augen diese Strukturen überwunden werden. Es geht uns darum, dass Sie verstehen, Frau Ministerin: Das Vorhandene ist nicht neutral, vielmehr werden medial permanent unrealistische Frauenbilder und frauenfeindliche Inhalte (re)produziert. Wenn Sie diese Gewalt hervorbringenden Strukturen durch Untätig-Bleiben stützen, ist das reine Bereitstellen von Beratungsangeboten für die Opfer dieser Gewalt nahezu zynisch und bei weitem nicht ausreichend. Jede Untätigkeit ist ein Befürworten dieses für Frauen oft todbringenden Zustandes.

Die psycho-physische Gewalt, welche Frauen in Österreich erfahren, beginnt wo Personen keine Stimme „haben“. Die Frage, wer darf sprechen, wessen Geschichte wird erzählt und wer wird dadurch überhaupt „wahr“genommen und wie, ist eine Machtfrage. Sprache ist also ein machtvolles Instrument. „Weibliche“ Perspektiven, wie immer sie auch aussehen, werden permanent medial unsicht- und unhörbar gemacht. Dieses Verdrängt-Werden aus dem Bewusstsein Aller (auch aus dem eigenen) ist (strukturelle) Gewalt und bedeutet höchste Gefahr für Frauen. Zum Beispiel, wenn Femizide – wie so häufig in Medien – als „Beziehungsdramen“ bezeichnet werden. Das normalisiert männliche Gewalt, schont die Täter und verhindert Empathie mit Frauen. Mit der Konsequenz, dass die Verantwortung für Gewalt noch immer eher bei den Opfern statt den Tätern gesucht wird. Viel zu häufig mit tödlichen Folgen.

Aber: Die Bedingungen für Empathie können (auch) hergestellt werden, weibliche Perspektiven können sicht- und hörbar gemacht werden – mit feministischen Narrativen. In Form von Literatur zum Beispiel. Eine Geschichte erzählt mir, was ich sein und werden kann in der Welt.

Literatur hat die einzigartige Fähigkeit verdrängte Geschichten zu erzählen, neue Vorstellungen von (Frauen)leben zu erschaffen und die Nähe zu erzeugen, die Emphathie erfordert. Es gilt über unsere eigene Perspektive hinausblicken und zu versuchen zu verstehen, was jemand anderes erlebt, fühlt und denkt. Zu häufig wird einer Literatur der Vorrang gegeben, die immer die gleiche (patriarchale) Geschichte erzählt. Zu häufig wird die Sprache – gesellschaftlich geprägt – unreflektiert übernommen. Eine solche Literatur kann nicht über das Vorhandene hinausweisen. Es gilt den Blick zu weiten auf etwas, was noch nicht ist, jedoch sein könnte. Zum Beispiel eine Gesellschaft, in der eine Frau nicht um ihr Leben oder ihre körperliche Unversehrtheit bangen muss, wenn sie sich von ihrem Partner trennt, weil dieser Eifersucht und Besitzanspruch mit vermeintlicher Liebe legitimiert. Eine Gesellschaft, in der Frauen andere Lebensentwürfe umsetzen können und glücklich sind, statt marginalisiert zu werden. Eine Gesellschaft, die sich nicht ausschließlich an der patriarchalen Norm ausrichtet.

Was wir hierfür brauchen, sind feministische Narrative in allen Lebensbereichen, und genau an dieser Stelle kommt feministischer Literatur eine tragende Rolle zu. Eine Gesellschaft, die männliche Gewalt hervorbringt, kann nicht von heute auf morgen umgekrempelt werden. Aber jede Anstrengung ist notwendig, um weitere Gewalt an Frauen zu verhindern. Und das fängt mit einer Sprache an, welche die Lebensrealitäten und -möglichkeiten von Frauen fokussiert und reflektiert, einer feministischen Sprache, einem Narrativ der Gleichberechtigung.

Beratungsstellen alleine werden es wohl nicht richten. Wir brauchen feministische Erzählungen in Kinderbüchern, in der Schulliteratur, in Zeitungen, in Buchhandlungen und – Bücher schreiben sich ja nicht von selbst – auf Preisverleihungen und in der Kulturförderung. Literatur ist intensive Gesellschaftsarbeit und jene, welche uns all die unterschiedlichen Geschichten liefern, müssen auch davon leben. Wir als IG Feministische Autorinnen, möchten hierzu unseren Beitrag leisten und das Bundesministerium für Frauen, Familien, Integration und Medien sollte ebenso seine Verantwortung wahrnehmen, wenn ihm eine gewaltfreie Gesellschaft wahrhaftig am Herzen liegt.

Deshalb, Frau Ministerin, verschließen Sie nicht die Augen vor den Problemen und gehen Sie den Schritt in die Prävention! Kommen Sie ihrer Auffassung von Frauenpolitik als „Querschnittmaterie“ nach. Setzen Sie sich mit feministisch kompetenten Organisationen an einen Tisch und unterstützen Sie Einrichtungen, die sich um ein feministisches Narrativ bemühen.

Mit freundlichen Grüßen

IG feministische Autorinnen Wien, Juli 2022

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Gewinnerinnen der Herbstausschreibung

Die Gewinnerinnen der Herbstausschreibung sind jetzt Online hier zu finden. Außerdem können Textausschnitte auf unseren Social Media Plattformen gelesen werden. Wir freuen uns und gratulieren herzlich!

WeissNet 2022

Unsere Ausschreibung dieses Jahres, WeissNet2022, ist nun geschlossen.

Wir bedanken uns für die zahlreichen Einsendungen. In den nächsten Wochen werden die Texte von einer Jury anonym bewertet. Die Gewinnerinnen werden Ende Oktober bekannt gegeben.

Wer nicht mehr warten kann, kann sich gerne in unsere Publikation WeissNet 2.0 hineinlesen.

Erhältlich auf Anfrage bei uns im Büro: Schönbrunnerstraße 66

Oder direkt bei der feministischen Buchhandlung chicklit

Alle mitwirkenden Autorinnen können sich natürlich zwei Exemplare bei uns abholen, wir schicken sie auch gerne per Post. Einfach bei support@igfem.at melden.

Unser Programm

Auch über die Sommermonate bieten wir folgendes Programm an:

Online-Schreibgruppen

Egal ob Anfängerinn oder Fortgeschritten, oder Schreibgruppen offen für alle Geschlechter mit der SprachKunst die igfem bietet auch dieses Jahr wieder Online Schreibgruppen an. Mehr Information hier: https://www.igfem.at/unser-angebot/online-schreiben-in-der-gruppe-2022/

Online Workshopreihe: Feministische Theoriegruppe

Die feministische Theoriegruppe setzt sich mit aktuellen feministischen Texten, Themen und Strömungen sowie mit feministischer Sprach- und Literaturwissenschaft auseinander. Hierzu gehört neben der Theoriegruppe auch die monatliche Buchbesprechung.

Mehr Informationen hier: https://www.igfem.at/unser-angebot/feministische-theoriegruppe/

Online Jour fixe Feministische Autorinnentreffen

Jour fixe für Strategieenentwicklung, Organisation, Austausch, Expertise. WeissNet2.0. Auswirkungen Corona-Krise, weitere Umsetzungsplan des Gender Papers, Begleitung Schreib- und Theoriegruppen.

Mehr Infos: https://www.igfem.at/unser-angebot/jour-fixe-feministisches-autorinnentreffen/

Anmeldung zu allen Angeboten über: support@igfem.at

Rückblick:

Lesung 2022

Die Lesung der ≠igfem war ein voller Erfolg. Vielen Dank an unsere Autorinnen und Organisatorinnen. Mehr Information hier: https://www.igfem.at/lesungen-2022/