Aktuell


InterNetz. Frauen


Der IG Feministische Autorinnen ist es ein großes Anliegen, so vielen Menschen als möglich die Nutzung der Vorteile digitaler Technologien, den Zugang zu Kultur und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Allgemeinen zu ermöglichen. Um diese Ziele miteinander zu vereinen, wurde das Projekt InterNetz. Frauen ins Leben gerufen, in dessen Zentrum die Förderung des digitalen Austauschs von Mädchen und Frauen unterschiedlichster Altersgruppen über das Medium Literatur/Sprache steht. Vom 1. Februar 2023 bis 31. Jänner 2024 organisiert ≠igfem über JitsiMeet eine digitale Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen die Teilnehmerinnen über literarische und theoretische Werke von Frauen diskutieren, selbst an Texten arbeiten und sich mit anderen Literaturinteressierten vernetzen können. Bei dem Aufbau und der Bedienung der nötigen Infrastruktur wird von Seiten der Workshopleiterinnen gerne unterstützt. Hier geht es zu unserer Übersicht: https://www.igfem.at/internetz-frauen/

Und hier direkt zu den Angeboten:

online-Schreibgruppen für Beginnende und Fortgschrittene,

online-Lektüregruppen : feministischer Lesekreis und feministische Theoriegruppe

online-Vernetzungstreffen für Autorinnen und Interessierte


Literaturfestival störfeuer


Ende April veranstaltet die IG feministische Autorinnen das Literaturfestival störfeuer, bestehend aus dem zweitägigen Workshop „Schriftstellerinnen im Spiegel der Jahrhunderte. Vom Seifenrezept über Liebeslyrik zum politischen Statement“, der von Elisabeth Hafner gehalten wird, und zwei Lesungstagen, an denen Gertraud Klemm, Sandra Weihs, Jasmin Gerstmayr, Augusta Laar, Dorothea Pointner und Gerlinde Hacker sowie Gewinnerinnen der WeissNet-Ausschreibung aus ihren feministischen Texten vortragen werden. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit den anwesenden Autorinnen und KünstlerInnen, sowie zum allgemeinen Austausch und Netzwerken am Buffet und Büchertisch. Die Lesung wird live auf unserem YouTube-Kanal übertragen.

Weitere Informationen folgen demnächst!

Über die Autorinnen und KünstlerInnen

Getraud Klemm, geb. 1971 in Wien, aufgewachsen in Baden bei Wien, ist österreichische Autorin. Sie ist Biologin und hat bis 2005 als hygienische Gutachterin gearbeitet. Viele ihrer Texte wurden mit Auszeichnungen gewürdigt (u. A. Publikumspreis Bachmannpreis 2014, Longlist des deutschen Buchpreises 2015). 2020 wurde ihr der Outstanding Artist Award zuerkannt, 2021 der Ernst-Toller-Preis, 2022 der Anton Wildgans Preis. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Niederösterreich.
Romane: Aberland (2015, Droschl), Muttergehäuse (2016, Kremayr & Scheriau), Erbsenzählen (2017 Droschl), Hippocampus (2019, Kremayr & Scheriau). Im Frühjahr 2023 erscheint „Einzeller“ bei  Kremayr & Scheriau.

Jasmin Gerstmayr schreibt Lyrik in einem Dialekt, der meist als oberösterreichisch kategorisiert wird, und hin und wieder Kurzprosa. Veröffentlichungen in zahlreichen Literaturzeitschriften, u.a. Morgenschtean, mosaik (online), UND, reibeisen. Sonderpreis AT beim mundartHunderter 22 des unartproduktion-Verlages. Regelmäßige Bühnen-Performance von Dialektlyrik, zuletzt etwa im Rahmen der Poetry Slam Österreich-Meisterschaft 2022. Mitglied der IGfem, GAV und ÖDA. Instagram: jasmin_gerstmayr

Drum san wir Frauen hoid
hauptverantwortlich
fia unsre Kinda
und wir mochn´s
ah oft gern
Nua wia miasn
ah oft plearn
wei unsare
aundaren Träume
vo da Wöd
san so fragil wie
beim Persilwaschgang
de Schäume

(aus dem Gedicht: Nur Mut)

Letzte Nocht
hob i nochdocht
I hob docht
Irgendwos föht ma
und i bin draufkuma
I föh ma söba

(aus dem Gedicht: I geh ma do so o)

Sandra Weihs ist Schriftstellerin und Sozialarbeiterin, Vortragende für Fortbildungen im Bereich soziale Arbeit, Beziehungsarbeit und Gesprächstechniken, Leiterin von Schreibwerkstätten (u.a. für psychisch erkrankte Jugendliche) und arbeitet in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe. 2015 wurde sie für »Das grenzenlose Und« mit dem Jürgen-Ponto-Preis für das beste Debüt ausgezeichnet. Sie erhielt zahlreiche Stipendien,  zuletzt das Projektstipendium des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. http://www.sandraweihs.at/

Was geschieht, wenn man einen alten weißen Mann am patriarchalen, bürokratischen System scheitern lässt? Was erzählt uns der Kapitalismus und die durch ihn entstehenden Systemverlierer? Sandra Weihs präsentiert Auszüge aus ihrem Romanprojekt „Der Durchschummler“, für das sie 2022 das Arbeitsstipendium des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport erhalten hat. Die Figur, die in Armut lebt und durch Krankheit aus dem Erwerbsleben ausscheidet, entwickelt eine rebellische Haltung gegenüber dem System, scheitert schlussendlich jedoch mit einem Knall.

Du entdeckst ein neues Gerät in der Obstabteilung. Hier kann man sich einen frischen Orangensaft zubereiten. Du hast Lust darauf und ein unbestimmtes Gefühl sagt dir, du hast dir einen frischen Orangensaft verdient. Also nimmst du dir eine Plastikflasche aus dem Ständer, stellst sie unter den Hahn und drückst den Knopf. Die Orangen rollen über eine Schneise direkt an ein in orangen Kunststoff ummanteltes Messer, es zerteilt sie in zwei Hälften. Im Räderwerk werden sie ausgepresst, dir wird ganz mulmig. Ein bisschen identifizierts du dich mit den Orangen, deren Schalen in einen verborgenen Abfallcontainer fallen.

Dorothea Pointner, Autorin. Die Vizepräsidentin der ≠igfem beschäftigt(e) sich in bzw. seit ihrem Studium der angewandten Sprachwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft theoretisch mit feministischer Literatur, bzw. Sprach- und Literaturkritik. Ihr Studium schloss sie 2008 mit der Diplomarbeit: »Die Repräsentation der Literaturnobelpreis-Trägerin 2004 in der österreichischen Tagespresse« ab. Broterwerbe als Projektassistentin und Korrektorin. Publikation von Lyrik und Kurzprosa in Anthologien, Literaturzeitschriften sowie im Rundfunk. Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenvereinigung. https://doropointnerblog.wordpress.com/

Sprödigkeit, sowie ein ebenso konsequentes Verwerfen jeglicher äußerer formaler Angestrengtheit prägen die Texte und Textcollagen von Gerlinde Hacker. In ihren Texten geht es um Beziehungen, die fast immer in einen gesellschaftlichen Kontext eingebunden sind. Das ist kein einfaches Kommunizieren oder Aneinander-Vorbeireden zwischen Ich und Du, immer sind die Subjekte auch Protagonistinnen einer zerfallenden neoliberalen Ordnung, die alles bestimmend auch noch in den privatesten Winkeln der Einsamkeit ihr Wirkung versprüht. Ihre Sujets reichen vom ironisierenden allgemeinen Gesellschaftsportrait über die Problematik der Generationen- und Partnerbeziehungen hin zu aktuellen politischen Bezügen, die die grotesken Verirrungen einer männlich dominierten Ordnung ins Bewusstsein rückt, nicht zuletzt auch im Kulturbetrieb. Gerlinde Hacker ist Autorin, Künstlerin, Literaturaktivistin und Präsidentin der IG feministische Autorinnen. http://gerlindehacker.com/

Die aus Taiwan stammende Blockflötistin Sheng-Fang Chiu ist sowohl als Kammermusikerin als auch als Solistin auf internationalen Konzertbühnen tätig, zudem widmet sie sich mit großem Engagement ihrer Lehrtätigkeit. Als Solistin konzertiert sie regelmäßig in Europa und Asien und wurde eingeladen, das Tartini Festival in Piran sowie das Bach Festival in Prag zu eröffnen. Außerdem wirkt sie in verschiedenen Kammermusikensembles und Orchestern mit und trat bei Festivals wie u.a. den Salzburger Festspielen, dem Istanbul Music Festival auf und konzertierte regelmässig in Konzertsälen wie dem Wiener Konzerthaus und dem Musikverein Wien. Sie leitete Meisterkurse in Österreich, Deutschland, Taiwan, Südkorea, Tschechien, Iran oder Polen an Universitäten wie der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität oder dem Prague Conservatoire. Seit 2014 unterrichtet sie als Dozentin für Blockflöte und Kammermusik an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, und von 2017 bis 2021 als Dozentin für Blockflöte an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig. https://shengfangchiu.com/

Alexander Iwanov ist freischaffender, in Wien lebender Künstler und Kurator. Er arbeitet mit Wörtern, Klängen und Dingen. Vor allem interessiert ihn die Handhabung, die Inszenierung und die Fragwürdigkeit von Wörtern, Klängen und Dingen. Er studierte Physical Theatre an der Accademia Teatro Dimtri in der Schweiz, wo er den Preis ‚Talenthesis‘ für das beste Abschlussstück gewann, Kuratieren in den szenischen Künsten in Salzburg und München und experimentelle und elektroakustische Musik in Wien. Auftritte an der Volksbühne Berlin, Frascati Theater Amsterdam, Campo Gent, Kaitheater Brüssel, Schauspielhaus Wien und anderen internationalen und nationalen Bühnen und Festivals. Seit einigen Jahren liegt ein großer Fokus seiner künstlerischen Arbeit auf der (Er-)findung, Handhabung und Inszenierung von Klängen, Tönen und Geräuschen. Mit diesen gefundenen Klängen und Geräuschen gestaltet er Klanglandschaften fürs Radio, für experimentelle Filme und für Performances und Theaterstücke. Bei Live-Auftritten spielt und improvisiert er mit elektronischen und akustischen Instrumenten, analogen Synthesizern, Effektgeräten und Kassettenrecordern. Vierteljährlich gestaltet und produziert er eine Radiosendung für den Kunstraum Innsbruck.
Radiosendung Kunstraum Innsbruck On Air
Trailer Performance nador after

Gemeinsam performen sie die Klanglesung „störfeuer“. Gerlinde Hacker liest, Sheng-Fang Chiu und Alexander Iwanov interpretieren musikalisch und klanglich die Texte. Alexander Iwanov sammelt und findet Störgeräusche und als Korrespondenz benutzt Sheng-Fang Chiu ihre Instrumente, u.a. Peatzoldflöte, Blockflöten und Renaissance-Traversflöte, um den Augenblick der Gegenwart zu reflektieren und zu realisieren.

Sich nicht daran gewöhnen, an die einzwängenden Rahmen und Normen, an die Zuschreibungen, die Beschwichtigungen. Frauen entwerfen sich selbst, Frauen schreiben die Welt, denn Literatur beschreibt nicht nur unsere Wirklichkeit, sondern baut sie mit – immer ein Stück neu.


Herzliche Gratulation!


Wir freuen uns, die 33 Gewinnerinnen der Ausschreibung „WeissNet 2022“ bekannt geben zu dürfen:

Julia Knaß
Jennifer Sommer
Katharina Levashova
Lisa-Viktoria Niederberger
Regina Rechsteiner
Nina Perendi
Magdalena Stammler
Mercedes Spannagel
Anna Ladurner
Britta Badura
Judith Haunold
Katharina J. Ferner
Nadine Bösch
Annette Böhler
Ingrid Jez
Johanna Schmidt
Maria Alraune Hoppe
Eva Surma
Margit Heumann
Mira Vokshi
Sabine Grohs
Clementine Skorpil
Natalie von Marschalck
Nicole Makarewicz
Katharina Körting

Monika Gentner
Clara Felis
Julia Frau Weide-Wurzenberger
Birgit Radeschnig
Manon Adelsberger
Barbara Rieger
Magdalena Hutter
Viki Kühn


(zufällige Reihenfolge, Ergänzungen kommen noch)

Hier findet ihr kurze Textauszüge, Videos und Biografien der Gewinnerinnen!

Ein großes Dankeschön zudem an alle Jurorinnen dieser bzw. vergangener Ausschreibungen:

Petra Ganglbauer, Autorin, Präsidentin des BÖS, vormalige Präsidentin der GAV
Veronika Steinböck, künstlerische Leiterin Kosmostheater, Wie
Dr.in Marlen Schachinger, Autorin, Filmemacherin, Regisseurin
Mag.a Dr.in Veronika Schuchter, Literwissenschaftlerin, Uni Innsbruck
Mag.a Marilies Jagsch, Lektorin Kremayr & Scheriau Verlag, Autorin, Musikerin
Mag.a Jessica Beer, Progammleiterin Residenz Verlag
Dr.in Monika Vasik, Autorin, GAV-Mitglied
Mag.a Nicole Mahal, Autorin, Literaturwissenschaftlerin
Mag.a Christine Steindorfer, Autorin, Coach
Dr. in Monika Jarosch, aep Innsbruck
Mag.a Susanne Teutsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin Jelinek Forschungsplattform
Sabrina Weinzettl, MA, wissenschaftliche Mitarbeiterin Jelinek Forschungsplattform
Beate Hausbichler, feministische Journalistin, DerStandard
Mag.a Tatjana Griessler, Jelinek Forschungsplattform
Verena Dolovai, Autorin
Elisabeth Hafner, Autorin
Marie-Rose Rodewald-Cerha, geschäftsführende Vizepräsidentin von Literatur Vorarlberg


Die ÖVP und die Gewalt an Frauen


Nicht neu ist das Phänomen, dass sich rechtskonservative Parteien immer dann gegen sexualisierte Gewalt positionieren und zu Verfechtern von „Frauenrechten“ aufschwingen, wenn sie damit die weiße, österreichische Frau vor der vermeintlichen Gefahr migrantischer Männer schützen wollen. Dass dahinter weniger feministische, als rassistische Anliegen liegen, ist nicht schwer zu erkennen, was die ÖVP jedoch nicht daran hindert, Gewalt gegen Frauen offen als „Problem der Migration“ zu betiteln. Den aufmerksamen Beobachter*innen oberösterreichischer Lokalpolitik stellt sich daraufhin die Frage, woher denn Jürgen Höckner (ÖVP) nach Scharten migriert ist, wo er trotz Verurteilung wegen Vergewaltigung letztes Jahr als Bürgermeister wiedergewählt wurde. Inzwischen wurde Höckner durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes rechtskräftig schuldig gesprochen, was jedoch die oberösterreichische Landesregierung nicht davon abhalten konnte, ihm danach noch eine Ehrenurkunde für sein „großartige[s] Engagement für die Regionalentwicklung des Landes Oberösterreich“ zu überreichen. Eine Distanzierung von Höckner oder eine Verurteilung seiner Straftat durch die ÖVP bleibt nach wie vor aus. Stattdessen argumentiert die ÖVP-Agrarlandesrätin, die Vergewaltigung „sei die eine Sache. Die andere Sache ist, was er in der Region gemeinsam mit vielen anderen entwickelt hat. Auf das baut die Region auf. Dafür gilt der Dank“. Das Problem daran ist, dass die Region offensichtlich auch auf patriarchalen, männerbündischen und offen rassistischen Strukturen aufbaut. Strukturen, die es nicht nur ermöglichen, dass Männer wie Jürgen Höckner eine Vergewaltigung begehen können, sogar rechtskräftig dafür verurteilt werden – was schon eine Rarität darstellt, weil Frauen erstens viele Hürden in den Weg gelegt werden, eine Vergewaltigung überhaupt zur Anzeige zu bringen, und zweitens, weil auch das Justizsystem bei der Feststellung der Schuld durch patriarchale Strukturen geprägt ist – und es dennoch nichts an seinem Ansehen als ÖVP-Lokalpolitiker ändert, ja dieses sogar bekräftigt wird. Es legt auf tragisch-komische Weise den offenen Sexismus und Rassismus der ÖVP und großer Teile der österreichischen Gesellschaft offen. Eine Gesellschaft, in der wir so nicht leben wollen, es niemals sicher oder frei könnten. Wir müssen daher lautstark reagieren, uns empören und nach den Rechten verlangen, die Frauen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Ethnie, ihrer Klasse oder ihrer sexuellen Orientierung verdient haben und welche ihnen trotz formaler rechtlicher Verankerung verwehrt werden. Solange sich in unserer Gesellschaft, in unseren Ortsvereinen, Rathäusern, Gasthäusern, unseren eigenen Familien nicht endlich ein feministisches Narrativ verankert, welches patriarchale Gewalt verurteilt und nicht duldet, jedes vermeintliche Engagement für Frauenrechte, das lediglich von Nationalismus geprägt ist und an vorhandenen Machtstrukturen nichts verändern will, als heuchlerisch entlarvt, wird keine von uns befreit sein. Auch nicht die weiße oberösterreichische Hausfrau, welche der ÖVP besonders am Herzen zu liegen scheint, wenn sie vor durch Migration drohender Gewalt beschützt werden soll. Nicht aber, wenn der Täter aus den eigenen Reihen kommt. Sich auf die ÖVP zu verlassen, wenn es um die Bekämpfung patriarchaler Gewalt geht, erschien noch nie eine gute Idee. Spätestens jetzt hat sie sich jedoch selbst entlarvt: nicht nur als Aufrechterhalterin der Strukturen, welche die Gewalt ermöglichen und begünstigen, sondern auch als Hervorbringerin derselben – als Täter(in).


16 Tage Gewalt gegen Frauen


Vom 25. 11. bis zum 10. 12. werden im Rahmen der „16 Tage Gewalt gegen Frauen“ das Ausmaß und die Ausprägungen von Gewalt gegen Frauen thematisiert. Höchste Zeit, finden wir von ≠igfem. Immerhin ist jede 5. Frau in Österreich körperlicher und/oder sexueller Gewalt, jede 3. sexueller Belästigung ausgesetzt. 2021 wurden in Österreich 29 Morde an Frauen von (Ex-)Partnern oder Familienmitgliedern verübt. Im Jahr 2022 verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik bereits 28 Opfer von Femiziden! Die Covid-19-Pandemie hat die Gewalt gegen Frauen nicht nur in die Höhe getrieben, sondern erschwert es den Betroffenen durch die aus ihr resultierende ökonomische Krise und die durch diese bedingte Abhängigkeit von den Tätern, einen Ausweg aus der Gewalt zu finden.
 
Der Zuspitzung patriarchaler Gewalt zum Trotz ist diese nach wie vor ein tabuisiertes Thema, das im öffentlichen Diskurs kaum präsent ist. Auch seitens der österreichischen Politik sind wirksame Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor dieser zu vermissen. Als IG feministische Autorinnen sind wir davon überzeugt, dass Gewalt gegen Frauen als ein strukturelles Problem erkannt und behandelt werden muss. Folglich ist es notwendig, die Rahmenbedingungen von Gewalt zu erforschen und entsprechend Handlungen zu setzen. Diese beginnt, wo die Betroffenen keine Stimme haben, ihnen die Möglichkeit zu sprechen genommen wird. Die Frage, wessen Geschichte erzählt und welche verschwiegen wird ist in erster Linie eine Machtfrage: Sprache ist ein macht- und potentiell gewaltvolles Instrument, welches dazu benutzt wird, Gewalt gegen Frauen zu normalisieren, indem etwa Femizide medial als „Beziehungsdramen“ inszeniert und männliche Eifersucht und Besitzansprüche romantisiert und legitimiert werden, und Empathie mit ihnen zu verhindern, indem die Verantwortung von den Tätern auf die Opfer verlagert wird. Aus diesem Grund müssen weibliche Perspektiven im öffentlichen Diskurs sicht- und hörbar werden. Voraussetzung hierfür, ist die Schaffung und Verbreitung eines feministischen Narratives in allen gesellschaftlichen Sphären.
 
Literatur kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie ermöglicht es Frauen, sich selbst neu zu entwerfen, verdrängte Geschichten zu erzählen und patriarchale Konventionen zu überwinden. Sie lässt uns neue Perspektiven einnehmen und schafft somit ein Näheverhältnis, welches die Grundlage für Empathie darstellt. Die Prävention von Gewalt gegen Frauen fängt in der Sprache an – einer Sprache, welche nicht unreflektiert übernommen wird und nicht beständig die gleiche patriarchale Erzählung wiedergibt, sondern Lebensrealitäten und -möglichkeiten von Frauen in den Blick nimmt und einem Narrativ der Gleichberechtigung folgt. Nur wenn dieser Zusammenhang erkannt und benannt wird, können wir uns effektiv für eine Gesellschaft einsetzen, in der es allen möglich ist, gut und sicher zu leben – so, wie wir es in literarischen Entwürfen bereits jetzt imaginieren können.


SCHREIBGRUPPENAKTION


Laut einer aktuellen SORA-Umfrage ist in Österreich bereits jede_r Zweite angesichts der inflationsbedingten Teuerungen zu Einsparungen gezwungen. ≠igfem möchte so vielen Menschen als möglich den Zugang zu Kultur zu ermöglichen. Deshalb ist die Teilnahme an unserer Buch-, Theorie- und Vernetzungsgruppe kostenlos. Bis Jahresende bieten wir aufgrund der steigenden Energie- und Lebensmittelpreise zusätzlich unsere Schreibgruppen für Neueinsteigerinnen unentgeltlich an!

🖋 Jeden Montag 18:00 – 20:00 für Fortgeschrittene
🖋 Jeden 2. Donnerstag 17:00 – 19:00 für Beginnende
🖋 Jeden 2. Donnerstag 14:00 – 16:00 für Beginnende & Fortgeschrittene
🖋 JETZT NEU: 16. 12. internationale Schreib- und Vernetzungsgruppe in englischer Sprache

Schreibt uns heute noch eine E-Mail an support@igfem.at, um euch anzumelden. Wir freuen uns auf euch!


Betrachtungen einer Jurorin


In einer Woche ist es endlich so weit: Die Gewinnerinnen der Ausschreibung WeissNet 2022 werden bekanntgegeben. Als kleinen Vorgeschmack hat Marie-Rose Rodewald-Cerha ihre Eindrücke zur Jurorinnentätigkeit zusammengefasst:

Ich war das erste Mal in der Jury für „WeissNet 2022. Feministisch. Texte von Autorinnen“, hatte keine Ahnung, wer die anderen Jurorinnen waren oder wie sich die Sitzungen mit ihnen gestalten würden. Tatsächlich fanden diese online statt. Das war eine gänzlich neue Erfahrung, hatte ich doch über 20 Jahre an vielen Jurysitzungen zu etlichen Wettbewerben teilgenommen. Zu meiner Überraschung konnte ich mich rasch an diese Bildschirmsituation gewöhnen und die Ernsthaftigkeit, mit der diskutiert wurde, litt nicht an der distanzierenden Virtualität. Ich war erleichtert!


Denn worum geht es bei der Jurorinnentätigkeit? Immer wieder ist die Rede von Gerechtigkeit im Zusammenhang mit Wettbewerben. Doch ist das realistisch? Natürlich werden Maßstäbe angesetzt, Kriterien erhoben – inhaltlich, stilistisch, sprachlich, anhand derer sich die Jurorinnen orientieren. Letztlich entscheidet aber immer die Wirkung des Gelesenen auf die Leserin, und diese ist eben individuell verschieden. Ich kann einem ausgewählten Text einer Jurorin aus verschiedenen Gesichtspunkten etwas abgewinnen, gefallen muss er mir deswegen nicht. Umgekehrt versuche ich meine Kolleginnen für meine Auswahl zu gewinnen, indem ich überzeugend argumentiere. Wenn mehrere Menschen sich viele Stunden und Tage mit Texten auseinandersetzen und sich schließlich nach hartem Ringen eins werden, welchen die Trophäe gebührt, so ist das ein Akt größter Wertschätzung der Literatur gegenüber und geschieht immer zum Nutzen derselben. Insofern ist es nie schwierig eine Preisvergabe zu legitimieren.


Beim feministischen Schreiben kommen noch eine Reihe von Aspekten dazu. Es genügt nicht, sich Inhalten zu bemächtigen, die bislang keinen Eingang in die Literatur gefunden haben. Ich schaue darauf, wie reflektiert sich der Text feministischer Sprachpraxis bedient. Wie geht er mit Sexismus, Machtverhältnissen, Diskriminierung etc. um? Wie mutig werden Sprachpraktiken ausprobiert und brechen damit bestehende Schreibnormen auf? Feministisches Schreiben ist auch ein Projekt, das immer wieder hinterfragt und weiterentwickelt werden muss. Ein Wettbewerb lädt zum Schreiben ein. Wie wichtig es ist, dass Frauen ihre Stimme erheben, schrieb Julya Rabinowich neulich in einem Essay: „Die Geschichte der Welt ist unter Frauenhaut festgehalten. Auf ihr. In ihr. Sie muss gelesen und verstanden werden. Nie sind Frauen mächtiger, als wenn sie sich das Recht nehmen. Das Wort.“ So gesehen ist die Verleihung des Bachmannpreises 2022 ein schönes Signal: Im Text der Gewinnerin geht es um aktives Handeln und um die Selbstermächtigung der Schreibenden.


Auch wenn viel Arbeit dahintersteckt, hat mich Jurorinnentätigkeit auch immer bereichert. Ich habe viel über Sprache gelernt und beobachtet. Und bald waren mir die auf den ersten Blick „kryptischen“ Texte die liebsten. Da konnte ich mir oft und gern die Zähne daran ausbeißen. Der Autorin oder dem Autor auf die Schliche zu kommen ist genüsslich und nachhaltig wie jegliche Beschäftigung mit Sprache. Wie wohl die Beschäftigung mit Literatur für alle Menschen ratsam ist. Die sublime Herangehensweise an die Welt und ihrer Beschreibung erweitert das Blickfeld der Leser:innen und stellt immer deren Sprachgebrauch in Frage. Die Reflexion darüber kann die eigene Sprache verändern, sie empathischer werden lassen, was unweigerlich zu mehr Diskurs und Verständnis untereinander beiträgt.


Ich glaube an die Wirkmächtigkeit von Sprache im Allgemeinen und ganz besonders der im künstlerischen Gebrauch. Ein Wettbewerb ist Anreiz für viele, sich mit Sprache zu beschäftigen, was wiederum ein Akt der Emanzipation darstellt – in unserem Fall daher im doppelten Sinn. Gerne stelle ich mich immer wieder zur Verfügung, diese Bestrebungen zu unterstützen.


Equal Pension Day


Am 3. August haben Männer bereits jene Pension erhalten, die Frauen bis zum Ende des Jahres erhalten werden. Es bedeutet, dass Frauen ca. 40% – teilweise sogar bis 1/3 – der Männer-Pension erhalten.

Zu den Gründen zählen altbekannte Missstände:

  • Abstrafen der Lebensentwürfe von Frauen
  • unbezahlte Care-Arbeit
  • Bruttolöhne, welche 20% unter jenen der Männer liegen
  • Erzwungene Teilzeit
  • Einkommen die nur 60% der durchschnittlichen Männereinkommen ausmachen
  • das neoliberale Wirtschaftssystem etc.

Primär ist die Verantwortung aber in der Politik zu suchen! Als Regierungen, vor noch nicht allzu langer Zeit, Pensionsreformen beschlossen, ignorierten sie vorsätzlich die Lebensrealitäten von Frauen mit der Auswirkung, dass Frauenpensionen um bis zu 50% gekürzt wurden. Mit dem Wissen, dass ein Berechnungszeitraum von 40 statt 15 Jahren Frauen in die Altersarmut schickt haben Regierende und Sozialpartner (Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Industriellenvereinigung etc.) dieser Reform zugestimmt.

Als IG feministische Autorinnen sehen wir unsere Aufgabe unter anderem darin, ungleiche Bedingungen wie diese durch feministische Öffentlichkeitsarbeit aufzuzeigen. Speziell für den Literaturbetrieb fordern wir eine höhere Präsenz von Frauen (mit feministischen Haltungen) in Führungspositionen, Redaktionen von Verlagen und Medien sowie Jurys und Gremien, die Verringerung bzw. Schließung des Gender Pay Gaps, welcher im Literaturbetrieb rund 25% beträgt und Ehrenpensionen für einkommensschwache Autorinnen! Gleichzeitig stellen wir einen Großteil unseres Angebots kostenlos bzw. -günstig zur Verfügung, um insbesondere Einkommensschwache Schriftstellerinnen und Kulturinteressierte (vor allem in Zeiten inflationsbedingter Teuerungen) zu unterstützen.